Kampf dem Wadenkrampf

Reichlich Flüssigkeit und Mineralstoffe beugen nächtlichen Wadenkrämpfen vor

Der Schmerz kommt urplötzlich – und intensiv. Ein Wadenkrampf kann jeden treffen, etwa 40 Prozent der deutschen Bevölkerung – überwiegend Ältere, Schwangere oder Sportler – sucht er sogar regelmäßig heim.

Oft reißt er uns aus dem Schlaf oder zwingt uns während des Sports in die Knie. Die Sekunden, die es dauert, bis der Schmerz nachlässt, fühlen sich wie Minuten an.

Die Krämpfe entstehen, wenn die Nerven an den Muskelfasern unkontrollierte Impulse aussenden und der Muskel nicht mehr entspannen kann. „Zusätzlich kommt es durch die Überlastung des Muskels beim Krampf zu kleinen Schäden, die hinterher zu einem Muskelkaterschmerz führen“, erklärt Dr. Bertold Schrank, Neurologe an der Deutschen Klinik für Diagnostik in Wiesbaden. „In vielen Fällen sind Störungen des Elektrolythaushalts in den Zellzwischenräumen für die überaktiven Nervenzellen und die dadurch erhöhte Krampfneigung verantwortlich“, berichtet er. Deshalb treten Krämpfe häufig auf, wenn ein Sportler viel schwitzt und den Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust nicht ausgleicht. Bei Frauen können zudem Hormonschwankungen zu Veränderungen im Flüssigkeitshaushalt führen.

 

Gelegentlich sind Nervenschädigungen die Ursache. „Hatte jemand einen Bandscheibenvorfall, bei dem eine Nervenwurzel zum Bein verletzt wurde, dann hat er möglicherweise häufiger Muskelkrämpfe im Bein“, weiß Schrank. Ist ein Venenleiden die Ursache, helfen Präparate mit Rosskastanie oder Rotem Weinlaub.

Treten die ansonsten harmlosen Wadenkrämpfe ohne Grund plötzlich vermehrt auf, sollte ein Arzt befragt werden. Zwar sind ernsthafte Ursachen sehr selten, aber manchmal steckt ein unerkannter Diabetes dahinter, der sich häufig durch Taubheitsgefühle äußert. „Diese Polyneuropathien führen oft schon im Frühstadium zu vermehrten Muskelkrämpfen“, erläutert der Wiesbadener Neurologe.

Um einen akuten Krampf zu lindern hilft es, den Muskel gezielt zu dehnen. Dadurch wird die „Befeuerung“ der Muskelfasern mit Nervenimpulsen unterbrochen und der Schmerz augenblicklich gestoppt. Hilfreich ist es auch, sich mit dem ganzen Gewicht auf die Füße zu stellen und etwas in die Knie zu gehen.

Eine regelmäßige Fußgymnastik mit Dehnung der Wadenmuskulatur kann die Häufigkeit von Krämpfen senken. Weitere Vorbeugemaßnahmen: Trinken Sie ausreichend Wasser oder Fruchtsaftschorle, um den Flüssigkeits- und Mineralhaushalt auszugleichen. Vor sportlichen Aktivitäten bieten sich Salzstangen oder Elektrolytgetränke an, bei Magnesiummangel können entsprechende Präparate aus der Apotheke für Abhilfe sorgen. Doch es lohnt sich auch, darauf zu achten, was man isst. Eine ausgewogene Ernährung mit vielen Vollkornprodukten lässt einen Magnesiummangel erst gar nicht auftreten.

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