Das Kreuz mit dem Kreuz

Rückenschmerzen verdienen mit Recht den Ausdruck „Volkskrankheit“.
Rücken- und Kreuzschmerzen plagen die Menschen seit Jahrhunderten. Überlieferungen aus vorchristlicher Zeit belegen bereits das Auftreten dieser Schmerzen. Erkrankungen der Wirbelsäule sind heute bereits die häufigsten Begründungen für Krankschreibungen. Im Jahr 2003 gab es immerhin fast eine halbe Million Krankschreibungen wegen Krankheiten von Wirbelsäule und Muskeln. Die Verschuldensfrage ist meist ebenfalls ziemlich klar: in den meisten Fällen sind wir es selbst, die durch ungünstige Lebensweise dafür sorgen.

Der aufrechte Gang
Der Mensch steht auf zwei Beinen. Durch den aufrechten Gang lastet wesentlich mehr Gewicht auf der Wirbelsäule. Nur eine gesunde und kräftige Muskulatur kann dieses Gewicht halten. Unsere bequeme Lebensweise ist auf der einen Seite Ursache für eine verminderte körperliche Aktivität mit fehlendem oder nur mäßigem körperlichen Training. Auf der anderen Seite führt die Arbeit, die wir leisten müssen, häufig zu einer einseitigen Belastung der Muskulatur.

Schwache Muskeln
In den meisten Fällen sind also Muskelverspannungen der Auslöser für die Kreuzschmerzen. Sitzen in ungewohnten Positionen, nicht nur bei der Arbeit, sondern auch beim Autofahren, führt dazu, dass sich Muskeln verkrampfen. Am nächsten Morgen wacht man dann mit Schmerzen auf, und kann sich kaum bewegen. Weil jede Bewegung schmerzt, setzt man sich am liebsten gleich wieder hin – ein Kreislauf, der meist zur Einnahme von Schmerztabletten führt. Anstatt gleich eine Schonhaltung einzunehmen, sollte man die schmerzenden Muskeln lockern und kräftig trainieren, damit sie der Überbeanspruchung standhalten können. Aber Sport kann auch gefährlich werden. Denn in dem Bestreben möglichst schnell kräftige Muskeln zu bekommen, mutet man sich anfangs gerne zu viel zu. Nach dem ersten Training schmerzt nicht nur der Rücken sondern meist der ganze Körper. Für viele ein Grund gleich wieder mit dem Sport aufzuhören, denn das kann dem Körper ja nicht gut tun! Doch im Leben geht nichts von alleine ganz schnell. Auch die chronischen, starken Rückenschmerzen kommen ja nicht von einem Tag auf den anderen. Man muss schon eine Zeit lang falsche Bewegungen machen, bis das Kreuz schreit – und Muskeln baut man auch nicht so schnell auf. Rückengymnastik muss langfristig, regelmäßig gemacht werden. Richtiges Bücken, Tragen und Heben zeigt nur dann seine Wirkung, wenn man es ganz automatisch im Alltag macht. Das Handicap dabei: wer beim Bücken brav in die Knie geht, und keinen runden Rücken macht, klagt bald über schmerzende Oberschenkel. Logisch, denn auch die Oberschenkelmuskeln sind die plötzlich geänderte Bewegung nicht gewöhnt, und reagieren mit Muskelkater. Wer aber standhaft bleibt, und sich weiter richtig bückt, wird bald belohnt, denn die Oberschenkel werden rasch kräftiger (was Männern und Frauen gut tut) und das Kreuz wird dabei entlastet.

Schnelle Behandlung
Ist der Schmerz sehr stark, wird der Arzt in erster Linie eine Ruhigstellung anordnen und zusätzlich schmerzstillende Medikamente und eventuell Eis zur Kühlung verschreiben. Auch Salben, Gele, Sprays und seit neuestem schmerzstillende Pflaster können eine rasche Erleichterung bringen. Sind die Muskeln sehr verkrampft, können Durchblutungsfördernde Wirkstoffe, die zu einer starken Erwärmung beim Auftragen führen eine Linderung der Beschwerden bewirken. Auch muskelentspannende, heiße Bäder können zur Lockerung der Muskulatur führen und damit manchen Schmerz erleichtern. Bei chronischen Schmerzen kommen schließlich reflextherapeutische Maßnahmen, Akupunktur, Infiltrationen und Heilgymnastik zu Einsatz. Ausgleichsübungen, richtiges Sitzen und Bücken sind nur dann ein wichtiger Schritt, wenn sie ganz automatisch immer gemacht werden. Nur wenn das Kreuz schon schmerzt an die richtige Bewegung zu denken, wird das Leiden nie wirklich verschwinden lassen

  • Auch mir hat nach einem doppelseiteigen Bandscheibenvorfall unter anderem gezieltes Training der Bauch und Rückenmuskulatur eine Linderung der Schmerzen gebracht. Aus (schmerzlicher) Erfahrung weiss ich jedoch, dass man wieder Probleme bekommt, sobald man damit auffhört. Ich muss / darf jetzt den Rest meines Lebens mich sportlich betätigen. Hat Vor – und Nachteile.